Im Bereich des Smart Home gibt es in den vergangenen Monaten interessante Beiträge. Einige – darunter jene von Technikbloggern – helfen den Nutzern bei ihren Problemen weiter.

Andere Beiträge liefern keinen wertvollen Nutzen, sondern sind von vorne bis hinten pure Kritik.

Unter dem Titel Das Smarthome ist ein Luftschloss wurde auf handelsblatt.com ein Artikel veröffentlicht, der den Lesern erklären soll, weshalb die Menschen wohl noch nicht in ein Smart Home ziehen sollten.

 

So schnell werden die meisten Menschen deshalb wohl nicht ins Smarthome ziehen. Und das ist eine kluge Entscheidung. (Kommentar: Das Smarthome ist ein Luftschloss, Larissa Holzki, 09.09.2019)

 

Der Einstieg in die Thematik wurde dabei über einen smarten Backofen von Siemens gemacht, der seine Tür per Sprachbefehl öffnet. An diesen Sprachbefehlen wird auch vieles aufgehangen. Doch dazu später mehr.

 

Smart Home vs. smarte Komponenten

 

Schon jeder Einsteiger weiß, dass Smart Home ein Begriff ist, der vieles bedeutet. Darunter fällt das Energiemanagement, die Sicherheit und der Komfort. Geht man weiter ins Detail erkennt man schnell, dass man für ein Smart Home unterschiedliche Komponenten benötigt, die alle insgesamt einen übergeordneten Zweck erfüllen.

Man muss also konkret die Unterscheidung zwischen Smart Home und smarten Komponenten treffen.

 

Mit Hundeleinen und Waschmaschinen lässt sich genauso surfen wie mit dem Kaffeeautomaten. Mit den Versprechungen des Smarthome hat das aber noch lange nichts zu tun. (Kommentar: Das Smarthome ist ein Luftschloss, Larissa Holzki, 09.09.2019)

 

Ich stimme grundsätzlich der Meinung zu, dass nicht jedes Gadget unbedingt vernetzt werden muss. Wenn man sich nun allerdings gezielt an Komponenten aufhängt, die so fernab der Realität sind, kann man vieles in Frage stellen. Eine smarte Hundeleine mag zwar für den einen oder anderen ganz lustig sein, hilft allerdings im Smart Home nicht weiter. Eine vernetzte Waschmaschine dagegen kann durchaus sinnvoll sein, wenn sie richtig eingesetzt wird. Damit zu argumentieren, dass man damit im Internet surfen kann ist dennoch sehr falsch. Nur weil ein Gerät mit dem Internet (oder Intranet) kommunizieren kann bedeutet das nicht, dass es smart ist, wenn ich das Handelsblatt darauf öffnen kann.

Ich gebe mal ein Beispiel aus der Realität dazu. Die Waschmaschine steht im Waschkeller und man kann innerhalb der Wohnung nicht hören, ob sie schon fertig ist. Nun kannst du dir selbstverständlich einen Wecker stellen, der dich daran erinnert. Doch warum sollte nicht dein vernetztes Zuhause dir eine Mitteilung schicken, sobald die Wäsche gewaschen ist?

Eine Benachrichtigung über gewisse Vorgänge im eigenen Haus zu bekommen ist Komfort in diesem Sinne, dass man sich gedanklich auch von Dingen lösen kann. Die freien Kapazitäten kann man schlussendlich für andere Dinge nutzen.

Dieses Beispiel soll deutlich machen, dass es nicht darum geht, mit vernetzten Geräten im Internet zu surfen. Viel mehr werden sie in eine Infrastruktur integriert, die insgesamt das Ziel des smarten Lebens erfüllt.

Wenn ich nun aber weiter im Artikel lese, wird es in meinen Augen noch lustiger.

 

Das Leben im Internet der Dinge soll zwar in ganz neuen Sphären spielen. Aber die Waschmaschine schleudert weiterhin Hemden und Socken, die Kaffeemaschine kocht Kaffee – ob sie sich nun per Stimme oder mit einem Knopfdruck einschalten lässt. (Kommentar: Das Smarthome ist ein Luftschloss, Larissa Holzki, 09.09.2019)

 

Mein Anwendungsfall geht ganz klar in Richtung Smart Home und kann von jeder Person umgesetzt werden. Hierfür muss man kein Technikspezialist sein. Wenn man allerdings die Augen vor solchen Fällen verschließt und das Thema Smart Home auf das Ein- und Ausschalten per Sprache reduziert, dann ist das so nicht richtig. Was will man denn auch erwarten? Möglicherweise erwartet die Autorin eine Waschmaschine, die den kompletten Haushalt schmeißt. Von Kaffee kochen, über das Bügeln, bis hin zur Reinigung der Wohnung?

Wichtig ist immer, das große Ganze im Blick zu haben und nicht alles auf ein bestimmtes Merkmal zu reduzieren. Immerhin könnte man dies in vielen Fällen tun. Macht man aber auch wiederum nicht.

Die Waschmaschine wäre in diesem Fall eine Komponente und kein ganzes Smart Home. Sie erfüllt den Zweck, für den sie geschaffen wurde. Nicht mehr und nicht weniger.

 

Warum Smarthome kein Luftschloss ist

 

Selbstbestimmt im Smart Home leben

 

Ich habe schon von vielen Personen gehört, dass ein Smart Home nicht ideal ist. Es nimmt den Menschen die Entscheidungsfreiheit und schreibt Abläufe vor. Die Autorin kritisiert aber in meinen Augen nun genau das Gegenteil. Die Technik beherrscht den Haushalt nicht.

 

Jetzt steht das Zeug [Kühlschränke und Konserven – Anm. d. Verf.] immer noch herum und frisst Energie, statt durch intelligente Planung ersetzt zu werden oder den Haushalt selbst zu organisieren. (Kommentar: Das Smarthome ist ein Luftschloss, Larissa Holzki, 09.09.2019)

 

Ja was denn nun? Soll das Smart Home künftig den Ablauf diktieren und die Menschheit muss folgen?

Ein Smart Home soll den Menschen dienen und ihnen den Alltag erleichtern, nicht ihnen die Entscheidungsfreiheit nehmen oder selbstbestimmt handeln. Der Kühlschrank kann nicht einfach Lebensmittel nachbestellen und der Besitzer muss bezahlen. So läuft das mit dem Smart Home nicht. Und so soll es in meinen Augen auch überhaupt nicht laufen.

Meiner Meinung nach (und ich denke das sehen andere ebenso) muss ein Smart Home die Vorgaben der Bewohner in dieser Art und Weise umsetzen, wie man ihm die Entscheidungsbefugnis darüber erteilt. Dazu gehört es, dass Regeln definiert werden. Diese Regeln sind der Handlungsspielraum, welcher der Technik eingeräumt wird. Alles was darüber hinaus geht, muss durch die Bewohner/Besitzer erledigt oder delegiert werden.

Sollte die Technik eines Tages eigenmächtig entscheiden, wie die Organisation im Haushalt abläuft sehe ich schon die nächste Schlagzeile vor mir: Smart Home macht Menschen zu Sklaven.

 

Der Realitätscheck des Smart Homes

 

Den Fernseher mit verschränkten Armen vom Ersten Programm zum Zweiten zu kommandieren, macht zwar Spaß, manchmal muss man aber auch ziemlich deutlich werden, damit die angeblich so intelligente Technik einen auch versteht. Mit den nummerierten Tasten auf der Fernbedienung gab es jedenfalls weniger Missverständnisse. (Kommentar: Das Smarthome ist ein Luftschloss, Larissa Holzki, 09.09.2019)

 

Hier haben wir wieder ein Argument, das das Thema Smart Home auf ein Feature reduziert. Die Sprachsteuerung wird angegriffen, weil diese nicht so funktioniert wie erwartet. Grundsätzlich will ich diesem Fakt nicht widersprechen, doch auch eine Fernbedienung läuft nicht immer so einwandfrei, wie es einem vorgesetzt wird. IR-Fernbedienungen haben eine begrenzte Reichweite und sind davon abhängig, dass Blickkontakt zwischen Fernbedienung und Fernseher herrscht. Ist das so nicht möglich, kann man das Gerät auch nicht steuern. Abgesehen davon können auch bei einer Fernbedienung Umstände eintreten, dass diese ihre Aufgabe nicht mehr wahrnehmen kann. Man bedenke mal bitte die leeren Batterien.

Ein smarter Fernseher übermittelt an das eigene Smart Home Daten, die zur Auswertung des Zustands genutzt werden können. In Kombination mit Plex beispielsweise lässt sich so eine Kinoatmosphäre erzeugen, indem das Licht gedimmt wird sobald der Film beginnt und umgekehrt. Smart ist das in meinen Augen insofern, dass man nicht mehrere Schritte händisch übernehmen muss, um sein Ziel zu erreichen. Viel mehr wird man bei seinem Vorhaben unterstützt.

Nun allerdings die Technik wieder nur an einem Kriterium schlecht reden, das kann jeder.

 

 

Solche Bedürfnisse [echte Bedürfnisse – Anm. d. Verf.] wären etwa, Nahrungsmittel einzukaufen, Essen zu kochen, Wäsche zu waschen und zu trocknen — Homeservice im besten Sinne. Das Smarthome hilft da bisher wenig. (Kommentar: Das Smarthome ist ein Luftschloss, Larissa Holzki, 09.09.2019)

 

Jetzt wird es in meinen Augen wirklich realitätsfern. Das Smart Home basiert, wie oben bereits erwähnt, auf Komponenten. Diese Komponenten können bislang mit der physischen Welt nur in einem begrenzten Maße interagieren. Sie dienen als Schnittstelle zwischen Realität und virtueller Umgebung.

Nebenbei bemerkt hat bislang niemand behauptet, dass ein Smart Home ein Ersatz für einen Homeservice sein kann. Geschweige denn, dass es das sein muss. Sicherlich wäre es schön, wenn der Haushalt durch die Technik gemacht wird, doch das ist doch überhaupt gar nicht das Ziel.

Nochmal: Das Ziel des Smart Homes ist es, den Menschen mit den zur Verfügung stehenden Mitteln zu unterstützen. Das tut es in meinen Augen.

Und mal abgesehen davon, raubt das Smart Home dann nicht wieder die Entscheidungsfreiheit?

 

 

Der Topf liest das Rezept aus dem Internet vor und berechnet die Garzeit. (Kommentar: Das Smarthome ist ein Luftschloss, Larissa Holzki, 09.09.2019)

 

Nun ja. Man munkelt, dass es ein ähnliches Gerät eines namhaften Herstellers bereits gibt.

 

 

Drittens ist das ganze „Handsfree-Hightech-Heiteitei“ viel zu teuer und bloß für eine kleine Zielgruppe mit Eigenheim erdacht. (Kommentar: Das Smarthome ist ein Luftschloss, Larissa Holzki, 09.09.2019)

 

Falsch.

Sicherlich kann man, wenn man zur Miete wohnt, die Wohnung nicht nach Belieben umbauen. Doch zum einen kann man gewisse Dinge an der Wohnung in Abstimmung mit dem Vermieter ändern und zum anderen muss man nicht zwangsläufig die Wohnung umbauen, um in den Genuss von smarter Technik zu kommen.

Alarmsysteme nutzen Sensoren, welche mit Klebestreifen angebracht werden können. Sensoren in Wände zu Schrauben stellt auch kein Problem dar, da man diese wieder ausbauen kann. Smarte Steckdosen werden in vorhandene Steckdosen eingesteckt und können restlos entfernt werden. Der sprachgesteuerte Fernseher – der ja so kritisiert wird – bleibt sowieso nicht fest eingebaut zurück.

Muss man noch weiter machen?

Der Kostenpunkt hingegen ist so eine Sache. Es gibt Möglichkeiten, relativ preiswert (im direkten Vergleich) seine Wohnung smart umzurüsten. Dazu setzt man auf bewährte Open Source Systeme, wie beispielsweise OpenHAB. Kauft man hingegen alles bei einem namhaften Hersteller, so muss man schon tiefer in die Brieftasche greifen. Dennoch hat man die Qual der Wahl.

 

 

Smarthome-ausgerüstete Menschen machen sich vielmehr abhängig von der Technik, die eindeutig noch weiterentwickelt werden muss. (Kommentar: Das Smarthome ist ein Luftschloss, Larissa Holzki, 09.09.2019)

 

Das ist so auch nicht immer richtig. Ich beispielsweise achte sehr darauf, dass ich vernetzte Geräte – sofern sie wichtig sind – auch noch in einem normalen Umfang steuern kann. Dazu gehört für mich beispielsweise das Bedienelement des Rollladens an der Wand, so dass ich nicht unbedingt mein Smartphone brauche. Es ist lediglich eine Ergänzung. Auch kann man smarte Lampen ohne App ein- und ausschalten. Jedenfalls ist das bei mir und sicherlich vielen anderen so.

Und doch hat die Autorin in einem Punkt recht: Wir machen uns abhängig von der Technik.

Aber das ist kein Problem des Smart Homes. Wie leben wir ohne Smartphones? Wie ohne Auto? Was wäre, wenn die Deutsche Bahn ihren Dienst einstellt? Hier ist überall Technik im Spiel, kritisiert wird sie allerdings nur im Smart Home. Und weshalb?

Weil es neu ist. Jeder muss seine Meinung kundtun und den anderen überzeugen oder warnen. Überlasst es den einzelnen Personen selbst.

 

 

Und sie zweifeln zu Recht daran, dass das Smarthome tatsächlich mehr Sicherheit bringt, wenn sie von der Beleuchtung bis zum Türschloss alles ans Netz bringen. Und damit möglichen und unerwünschten Zugriffen ausliefern. Die neuen Risiken lauten entladener Akku und Hackerangriff. Ist das WLAN futsch, stehen die Geräte dumm rum. Da können sie so viel vernetzt sein, wie es nur geht. (Kommentar: Das Smarthome ist ein Luftschloss, Larissa Holzki, 09.09.2019)

 

Das ist zwar grundsätzlich nicht falsch, aber schon so platt getreten wie ein Kaugummi auf der Straße. Nichts für ungut, aber wenn es doch so furchtbar ist, dann sucht nach einer Lösung!

Man warnt und warnt immer wieder, aber niemand kommt auf die Idee zu sagen, was man denn konkret dagegen tun kann. Autoren greifen die Sicherheit auf, wissen aber im Grunde oft nicht einmal, wie die technische Umsetzung der Geräte denn aussieht. Nichts für ungut, ihr seid Experten im Schreiben, andere wiederum Experten auf dem Gebiet der Sicherheit. Befragt solche Leute und holt euch tatsächlich dieses Wissen mit an Bord, bevor man einfach etwas ins Internet stellt.

Es gibt für Smart Home viele Möglichkeiten, dass Geräte nicht mit dem Internet kommunizieren müssen. Abgesehen von Alexa habe ich in meinem Haushalt kein Gerät, das zwingend auf eine Internetverbindung angewiesen ist. Als Basis nutze ich OpenHAB, was völlig frei von Clouds betrieben werden kann.

Wenn ich nun die Geräte daheim noch in ein eigenes virtuelles Netzwerk lege, habe ich schon sehr viele Sicherheitsmaßnahmen ergriffen. Das sind Basics, wenn man von Sicherheit sprechen möchte. Grundlagen, die man beherrschen sollte, damit man überhaupt kritisieren kann. Einfach etwas aus dem Internet zu greifen, das man mal gelesen aber nicht verstanden hat, das ist einfach nur unprofessionell. Entschuldigt!

 

Alles in allem bleibt zu sagen

 

Smart Home ist ein Trend. Es ist aber ebenso eine freie Entscheidung jeder Person. Wer davon überzeugt ist sollte genauso respektiert werden wie Menschen, die nicht an die Technik glauben oder sie nicht mögen. Man sollte nicht versuchen, eine große Panik oder Unwohlsein auszulösen.

Von einer klugen Entscheidung zu sprechen, wenn jemand sich gegen ein Smart Home entscheidet ist nicht klug in meinen Augen. Man könnte genauso sagen, dass es nicht klug ist sich für ein Elektroauto zu entscheiden aufgrund der geringen Reichweite.

In meinen Augen läuft es doch immer gleich ab. Menschen haben Panik vor neuen Technologien, irgendwann nutzen sie diese und sind total hin und weg. Dann ist es auf einmal super.

Wo wären wir denn hingekommen, wenn wir nie etwas neues ausprobiert oder getan hätten? Vermutlich würden wir noch heute vor dem Lagerfeuer sitzen und unsere neueste Beute grillen.

Zwar hätten wir dann keine Diskussion über Smart Home, viele tolle Dinge wären uns allerdings auch verschlossen geblieben.

Kategorien: Smart Home

Lukas

Hi, mein Name ist Lukas. Seit 2016 blogge ich auf Hobbyblogging über unterschiedliche Themen des Alltags. Schwerpunkt dabei ist das Thema Smart Home, speziell mit der Open Source Software OpenHab auf dem Raspberry Pi. Neben dem Bloggen absolviere ich derzeit mein Master-Studium im Fachbereich Wirtschaftsinformatik und arbeite als Werkstudent im Software Engineering.

2 Kommentare

Tobias · 3. Oktober 2019 um 22:42

Finde ich sehr gut geschrieben und argumentiert.
Zum Deinem Fazit fällt mir noch ein: Unsere neueste Beute grillen wir heute noch immer – vielleicht sogar mehr denn je, machen das aber inzwischen smart mit einem Grillthermometer und kontrollieren diese mit dem Smartphone oder noch besser mit dem SmartHome 😉

    Lukas · 4. Oktober 2019 um 01:52

    Hallo Tobias,

    danke für dein Feedback zu diesem Beitrag. Das mit dem Thermometer ist eine gute Anmerkung. Grundsätzlich denke ich, dass wir einfach offen für Neues sein sollten und nicht alles immer sofort negativ sehen sollten. Man muss es etwas differenziert betrachten. Ob es schlussendlich sinnvoll für eine Person ist, muss jeder für sich selbst entscheiden.

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