Vor einer etwas längeren Zeit habe ich mit Daniel über sein Smart Home gesprochen. Dabei habe ich vor allem erfahren, dass er Home Assistant als zentrale Steuerung für das eigene Zuhause einsetzt. Da ich mich als Informatiker grundsätzlich für verschiedene Systeme interessiere, hat mich hellhörig werden lassen. Zumal ich auch für mich die besten Funktionen aus verschiedenen Tools miteinander kombiniere.

Aus diesem Grund möchte ich mir, gemeinsam mit dir, in diesem Artikel die Unterschiede zwischen ioBroker und Home Assistant genauer anschauen. Leider habe ich dabei das System nicht selbst im Einsatz, so dass ich rein die Fakten aus der offiziellen Dokumentation betrachten werde. Da diese allerdings alle wichtigen Informationen bereitstellt bin ich mir sicher, dass wir einen tollen Vergleich auf die Beine stellen können.

Wenn wir uns den Titel ioBroker vs Home Assistant anschauen, suchen wir gezielt nach Gemeinsamkeiten und Unterschieden. Das sollte dir einen tollen Überblick geben und auch dafür sorgen, dass du eine fundierte Entscheidung treffen kannst.

Grundlegende Unterschiede

Wie bei vielen anderen Systemen, gibt es auch zwischen ioBroker und Home Assistant grundlegende Unterschiede. So fällt direkt zu Beginn auf, dass die Community von Home Assistant eher im Englischen unterwegs ist. ioBroker bietet ein deutsches Forum, was damit aus der Masse hervorsticht.

Zwar ist die Softwareentwicklung – und damit auch die Entwicklung von Home Assistant – stark mit dem Englischen verwurzelt, jedoch ist das gerade für Einsteiger oft eine große Hürde. Denn auch wer über gute Englischkenntnisse verfügt, kann durchaus mit einzelnen Fachbegriffen und Zusammenhängen seine Schwierigkeiten haben.

Es gibt neben Unterschieden allerdings auch Gemeinsamkeiten, die dich interessieren dürften.

So bieten beide Systeme ein eigenes Forum, in dem die Nutzer untereinander einen grundlegenden Austausch betreiben und auch gezielt nach Hilfe für spezielle Probleme suchen können. Die jeweilige Dokumentation hilft bei einer Argumentation oder der Erklärung spezieller Funktionen innerhalb der jeweiligen Systeme. Darüber hinaus verfügt Home Assistant über einen eigenen Blog, der sowohl für Ankündigungen gedacht, als auch für die Vorstellung spezieller Funktionen genutzt wird.

Doch wir wollen uns gar nicht so lange mit grundlegenden Unterschieden und Gemeinsamkeiten aufhalten. Werfen wir direkt einen Blick auf die spezifischen Funktionen, die Home Assistant zu bieten hat. Dabei beginnen wir bei der Installation der Software.

Zuletzt aktualisiert 19.09.2021 / (*) Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API / Der angegebene Preis kann seit der letzten Aktualisierung gestiegen sein.

Die Installation von Home Assistant

Werfen wir zu Beginn unseres Vergleichs einen Blick auf die Installation von Home Assistant. Hier gibt es zu anderen Systemen gewisse Parallelen, insbesondere im Hinblick auf die Hardware. Wie andere gängige Systeme, lässt sich Home Assistant auf unterschiedlicher Hardware installieren. Insbesondere der Raspberry Pi ist dabei ein Gerät, das einen sehr günstigen Start in das Smart Home erlaubt. Generell ist Home Assistant auf folgender Hardware verfügbar:

  • Raspberry Pi
  • ODROID
  • ASUS Tinkerboard
  • Generic x86-64 (z. B. Intel NUC)
  • Windows
  • MacOS
  • Linux

Besonders interessant für Einsteiger ist übrigens Home Assistant Blue. Hierbei handelt es sich um eine vorgefertigte Hardware, die bereits von Haus aus mit der notwendigen Software ausgestattet ist. Das bedeutet für dich, dass du dich nicht um die Installation kümmern musst, sondern direkt nach der Inbetriebnahme loslegen kannst. Das kannst du dir in etwa so vorstellen, dass du eine eigene Zentrale bekommst, die sich um das Smart Home kümmert. Dabei beschränkt sie sich allerdings nicht auf bestimmte wenige Geräte, sondern verfügt über übergreifende Funktionen. Diese werden mit Erweiterungen in das System geladen.

Einen ersten Eindruck von der Hardware habe ich durch Frank-Oliver von Digitalzimmer in einem Twitter-Post bekommen:

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Adapter vs Integrations

Einer der ersten Unterschiede ist die Benennung der Erweiterungen. Während man sie bei ioBroker Adapter nennt, wurden sie von den Home Assistant Entwicklern Integrations getauft. Der Name lässt sich dabei ganz eindeutig darauf zurückführen, dass Fremdsysteme in das eigene System integriert werden. Die Namenswahl ist aus meinen Augen sehr clever, denn jedem Nutzer ist die Funktion direkt klar.

Home Assistant verfügt derzeit (Stand: 18.08.2021) über 1838 Integrations, um fremde Systeme und weitere Funktionen in das Smart Home zu integrieren. ioBroker kommt hingegen nur auf 413 Erweiterungen (Stand: 18.08.2021). Dabei muss man natürlich etwas genauer ins Detail gehen. Möglicherweise bieten einige Adapter bei ioBroker eine breitere Funktionspalette als eine Integration bei Home Assistant. Das würde zumindest den großen Unterschied erklären.

Erfreulich ist jedenfalls, dass die gängigen Erweiterungen bei beiden Systemen verfügbar sind. Dazu zähle ich zum Beispiel Erweiterungen für Amazons Alexa, Google Home und einige weiterer Systeme. Ich für meinen Teil könnte jedenfalls ohne diese Erweiterungen nicht mehr auskommen, zumal gerade Alexa viele Dinge in meinem Smart Home ankündigt.

Was mir allerdings bei Home Assistant direkt aufgefallen ist, sind die diversen tiefergehenden Erweiterungen, die ich bisher von keinem anderen System kenne. Hierzu zähle ich Erweiterungen für den Apple TV, Apple iTunes, Azure, AWS und sogar Dominos Pizza! Letzteres wohl für die richtigen Bastler, die zwischendrin eine kleine Stärkung brauchen. 😉

Ich persönlich kann dir auf jeden Fall empfehlen, dass du dir vor der Installation genau anschaust, welche Erweiterungen Home Assistant bietet. Anhand dieser Info solltest du unter anderem entscheiden, welches System zum Einsatz kommt. Eine tolle UI ist zwar schön, hilft aber im Smart Home immer nur bedingt weiter.

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Das User Interface im Vergleich

Wenn wir schon von UI (User Interface) sprechen, schauen wir uns diese doch einmal genauer an. Hierbei gibt es in meinen Augen grundlegende Unterschiede, die eine nähere Betrachtung notwendig machen.

Home Assistant setzt bei der Darstellung von Informationen auf Lovelace. Hierbei handelt es sich um ein komplettes Frontend, das durch den Nutzer entsprechend angepasst werden kann. Zu den Anpassungsmöglichkeiten zählen neben den Cards auch verschiedene Themes, Icons und natürlich die Benennungen. Es handelt sich demnach um eine Visualisierung, die du entsprechend deiner Wünsche in gewissen Grenzen anpassen kannst.

Warum in gewissen Grenzen?

Home Assistant bietet scheinbar ein fest definiertes Raster, in dem du dich bewegen kannst. Alles außerhalb des Rasters wird von Lovelace nicht unterstützt. Dadurch erscheinen viele Oberflächen sehr ähnlich und unterscheiden sich hauptsächlich durch Icons, Texte und Farben. ioBroker hingegen bietet durch die VIS eine völlig freie Anpassungsmöglichkeit, wodurch sich sehr individuelle Steuerungen erstellen lassen.

Das kann nun Vor-, aber auch Nachteile haben. Während Home Assistant in den Anpassungsmöglichkeiten etwas eingeschränkt ist, kann man die ioBroker VIS durchaus als sehr komplex ansehen. Je nachdem welches System hier die eigenen Vorlieben erfüllt, sollte man dieses in eine nähere Betrachtung einschließen. Sicherlich ist das auch abhängig davon, über welche Kenntnisse du verfügst.

Die Automatisierungen

Nun wissen wir schon etwas über die Installation, Integrationen und das User Interface. Doch das Smart Home besteht größtenteils wohl aus Automatisierungen, die ein Smart Home erst wirklich smart machen. Hier gibt es bei Home Assistant zwei verschiedene Möglichkeiten.

Der Automation Editor ist eine visuell geführte Möglichkeit, um Automatisierungen mit Home Assistant umzusetzen. Hierbei wählst du einen Namen für deine Automation, einen Trigger und eine Aktion. So lassen sich zumindest am Anfang sehr leicht Automatisierungen erstellen, die grundlegende Anforderungen erfüllen.

Die zweite Möglichkeit zur Erstellung von Automatisierungen sind sogenannte YAML-Dateien. Du kennst sie vielleicht schon durch Docker, das über die gleichen Dateien konfiguriert werden. Diese Möglichkeit richtet sich doch eher an fortgeschrittene Nutzer, die bereits über erste Erfahrungen verfügen. Denn während der visuelle Editor sehr viel Arbeit ersparen kann, musst du bei einem Texteditor selbst auf die korrekte Syntax (und Semantik) achten. Das macht die Erstellung etwas kniffliger und es bedarf ein wenig an Routine, bevor die ersten Automatisierungen direkt auf Anhieb funktionieren. Ich persönlich bin zumindest kein Fan von YAML-Dateien. Zwar haben sie eine klare Struktur, allerdings werde ich mit diesem Dateiformat nicht so richtig warm.

ioBroker geht auch hier einen anderen Weg. Dort hast du die Möglichkeit, durch Blockly eigene Automatisierungen visuell zu erstellen. Entwickler/Programmierer haben allerdings auch die Möglichkeit, auf JavaScript umzusteigen. Dadurch kann ioBroker in meinen Augen auch eher Neulinge abholen, die noch keinerlei Programmiererfahrung haben. Auch wenn die Erstellung trotzdem sehr tricky und komplex sein kann.

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Die Community

Bevor wir zum Ende des Artikels kommen, möchte ich gerne noch auf das Thema Community eingehen. Wie schon in meinem Vergleich zwischen ioBroker und OpenHAB, liegt mir dieses Thema doch sehr am Herzen. Eine aktive Community sorgt schlussendlich dafür, dass neue Nutzer entsprechend Hilfe erhalten und sich mit anderen Anwendern austauschen können.

Laut den offiziellen Angaben im Forum von Home Assistant (Stand: 18.08.2021) verfügt das Forum über insgesamt rund 123.000 Themen, die von Nutzern erstellt wurden. Es gibt etwa 1,5 Millionen Postings und etwa 304.000 Likes. Eine Anzahl von Nutzern ist leider nicht ersichtlich. In den letzten 30 Tagen waren jedoch 23.600 Nutzer aktiv.

ioBroker hingegen verfügt (Stand: 18.08.2021) über etwa 46.800 Themen, 663.800 Beiträge und 41.400 Nutzer.

Zu beachten ist bei diesen Zahlen natürlich, dass gerade der englischsprachige Raum deutlich größer ist und sich so mehr Nutzer von der Software angezogen fühlen. Allein dieser Grund genügt in meinen Augen bereits, dass die Zahlen bei Home Assistant deutlich höher liegen. Sicherlich fließen allerdings auch Tatsachen mit ein, dass Nutzer bei einem System eventuell mehr Unterstützung brauchen. Ein eindeutiger Indikator für die Qualität der Software ist das demnach keinesfalls. Schließlich lassen sich die Zahlen auch andersrum interpretieren. So könnte man auch die These aufstellen, dass die Community von Home Assistant aktiver ist, da sie generell im größeren Smart Home Fieber ist.

Alles eine Sache der Betrachtungsweise.

Es zeigt allerdings ganz klar, dass Home Assistant über eine große Community verfügt, die sehr aktiv am Projekt arbeitet. Jeder trägt einen Teil dazu bei. So erstellen die Entwickler nützliche Erweiterungen und Nutzer sorgen durch ihre Fragen für die Erstellung einer kleinen Dokumentation, welche die offizielle Dokumentation unterstützt.

Welches System ist deine erste Wahl?

Ich persönlich habe vor einigen Monaten von OpenHAB auf ioBroker gewechselt und bin mit meiner Entscheidung sehr glücklich. Aktuell arbeite ich an einer tollen Visualisierung, die all meine Bedürfnisse erfüllt und dabei sogar noch schick aussieht. Home Assistant war tatsächlich nie ein Thema für mich, da ich es zum damaligen Zeitpunkt nicht auf dem Schirm hatte.

Auch wenn ich nun heute mehr zu Home Assistant weiß, würde ich einen Wechsel nicht in Betracht ziehen. Das System wirkt ordentlich und hat eine große Community. Doch für mich gibt es zwei triftige Gründe, die dagegen sprechen. Zum einen nutzt Home Assistant YAML-Dateien, mit denen ich mich wirklich ganz und gar nicht identifizieren kann. Zwar würde ich nach kurzer Einarbeitung sicherlich auch diese kleine Herausforderung meistern, doch ich hätte wohl kaum eine Freude daran. Der zweite Grund ist das beschränkte User Interface. Ich finde individuelle Visualisierungen wirklich genial und möchte diese Freiheit nicht mehr missen.

Dennoch kann ich dir nur einen gut gemeinten Rat mitgeben. Du musst für dich selbst entscheiden, welches System dir besser liegt. Dazu kannst du dir zum Beispiel die diversen Erweiterungen ansehen und überprüfen, ob du damit all deine Geräte abdecken kannst. Beide Systeme bieten außerdem eine Demo, durch die du dir einen ersten Eindruck verschaffen kannst. Diese Chance solltest du dir nicht entgehen lassen.

Und übrigens gibt es nicht das perfekte System. Auch wenn viele dich das wohl glauben lassen wollen. In Wahrheit ist es allerdings (leider) so, dass die Bedürfnisse und Vorkenntnisse viel zu individuell sind, um pauschal ein System zu empfehlen. Daher musst du dir zwingend einen eigenen Eindruck vermitteln und für dich eine individuelle Entscheidung treffen. Sollte in deinem Umfeld jedoch jemand Erfahrung mit diesen Systemen haben oder sogar eines davon selbst nutzen, dann lass dir das auf jeden Fall erklären und zeigen. So bekommst du schon vor deinem Start einen umfassenden Eindruck und auch ein kleines Gefühl dafür, wo die Schwächen des jeweiligen Systems liegen.


Lukas

Hey, ich bin Lukas. Seit einigen Jahren schreibe ich in meinem Smart Home Blog über Hausautomation und Digitalisierung. Als Wirtschaftsinformatiker weiß ich, wie wichtig die Vernetzung von IT-Systemen ist. Diese Erkenntnisse übertrage ich auf mein eigenes Smart Home, das ich auf Basis von ioBroker betreibe. Hierzu nutze ich die Leistung eines eigenen Rackservers in meinem Keller, der alle Dienste und Smart Home Systeme aufrecht erhält. Mit ihm habe ich mir einen großen Traum erfüllen können. In deinen Ohren klingt das mindestens genauso spannend, wie für mich? Dann komm mit auf unsere Reise zu einem vollwertigen, sicheren und komfortablen Smart Home. Ganz oben findest du Verknüpfungen zu Social Media, wo du mir gerne folgen darfst. Ich freue mich auf dich!

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