Wenn im Smart Home das Licht ausgeht, hat das nicht immer nur erfreuliche Gründe. Viele Systeme kommunizieren kontinuierlich mit dem Internet und sind darauf angewiesen, nach Hause telefonieren zu dürfen. Das bedeutet, dass für das eigene Smart Home eine kontinuierliche Internetverbindung bestehen muss und alle Dienste zur Verfügung stehen müssen. Doch funktioniert auch Smart Home ohne Cloud?

Wenn ich an Probleme mit der Cloud denke, fällt mir sofort Osram ein. Der Hersteller versuchte sich als günstige Alternative zu den teuren Philips Hue Produkten zu positionieren. Letztendlich musste die Produktsparte jedoch eingestellt werden. Das hatte zur Folge, dass viele Produkte keine Updates mehr erhalten und sich das gesamte Osram Lightify System nicht mehr sinnvoll nutzen lässt (Quelle: Housecontrollers).

Noch viel schlimmer sind in meinen Augen Situationen, die den Kunden in einem ungewissen Zustand belassen. So erging es beispielsweise Nutzern von Livisi. Obwohl der Webshop schon längere Zeit offline ist, scheint es um das System schlussendlich noch keine Entscheidung zu geben (Quelle: Digitalzimmer).

Es gibt jedoch auch andere Beispiele, die Cloud-Nutzer verärgern dürfte. So zum Beispiel bei Conrad Connect. Nachdem hier die Preise zuerst erhöht wurden, schienen die Nutzer wohl derart unzufrieden zu sein, dass es kurze Zeit später direkt wieder rückgängig gemacht wurde (Quelle: Digitalzimmer). Dieses Hin und Her ist selbstverständlich immer wieder ein Grund, der zum Unmut in der Nutzerschaft führt und auch ein wenig Unruhe in das eigene Wohlbefinden bringt.

Wie du sehen kannst, soll Smart Home eigentlich einfach und unkompliziert sein. Doch so manche Cloud oder so mancher Dienst machen das Leben nicht gerade leichter. Insbesondere wenn eine Cloud komplett abgeschaltet wird, ist die Verunsicherung natürlich besonders groß.

Ich möchte in meinem Artikel nun einen besseren Blick darauf werfen, inwieweit das Smart Home ohne Cloud auskommen kann und wo die Fallstricke liegen. Außerdem schauen wir mit einem kritischen Blick auf mein eigenes Smart Home und identifizieren Abhängigkeiten zum Internet, die im Zweifel durchaus problematisch sein können.

Internet Cafe

Warum gibt es überhaupt Clouds?

Grundsätzlich müssen wir uns zuerst die Frage stellen, warum es überhaupt Clouds gibt und welche Rolle sie im Smart Home spielen.

Der Begriff Cloud ist im Grunde eine Abkürzung für das Modell des Cloud Computing (Quelle: Wikipedia). Dabei steht vor allem die gemeinsame Nutzung von On-Demand-Ressourcen im Vordergrund. Das bedeutet, dass in Rechenzentren unterschiedliche Anwendungen, Server, Speicher oder Entwicklungstools sowie Netzwerkfunktionen bereitgestellt werden (Quelle: IBM). Insbesondere letztere Funktion ist dabei für das Smart Home besonders interessant.

Blicken wir dazu einmal auf ioBroker und die Möglichkeit, den Amazon Echo zur Steuerung der eigenen Geräte zu verwenden. Geräte, die per Alexa gesteuert werden sollen, müssen sich mit dem eigenen Amazon-Konto verbinden. Hierzu ist es notwendig, dass die jeweiligen Geräte im Internet erreichbar sind. Andernfalls können die Befehle nicht übertragen werden. Da die eigene Smart Home Installation jedoch nur selten direkt über das Internet erreichbar ist, benötigt man hierzu einen Vermittler. Dieser Vermittler ist in diesem konkreten Fall die IoT-Cloud von ioBroker.

Sobald du nun einen Sprachbefehl an deinen Assistenten richtest, wird dieser an die IoT-Cloud gesendet. Diese wiederum hat eine konstante Verbindung zum eigenen ioBroker, welcher schlussendlich die Aktion ausführt. Die veränderten Zustände werden über den umgekehrten Weg gesendet.

Wie du siehst, dienen Clouds somit unter anderem der Vermittlung von Informationen und Befehlen. Diese Informationen und Befehle wären ohne Cloud nicht unbedingt nutzbar oder nur auf einem komplizierteren Wege.

Ein weiterer wesentlicher Grund für den Einsatz von Cloud Computing ist im Smart Home die einfache Skalierung (Quelle: IBM). Das bedeutet, dass du für kleinere Aufgaben keine eigene Hardware brauchst, sondern diese mit anderen Nutzern teilst. Die Kosten hierfür verteilen sich somit auf mehrere Personen und der Einsatz von Hardware wird für alle Beteiligten günstiger. Auch hier sind die Preise der IoT-Cloud von ioBroker ein sehr gutes Beispiel.

Geht Smart Home ohne Cloud?

Wenn sich die Cloud nun zwischen das eigene Smart Home und den Sprachassistenten klemmt, geht dann Smart Home ohne Cloud? Theoretisch funktioniert das, ja. Praktisch ist es allerdings so, dass sich oft unbemerkt Abhängigkeiten einschleichen, die man schnell einmal so hinnimmt.

Meist beginnt es schon damit, dass man sich zu Beginn ein passendes System aussucht, auf das man im weiteren Verlauf aufbauen möchte. Vielleicht hast du dir schon einmal unterschiedliche Systeme angesehen und festgestellt, dass nicht jedes System bei dir auf einem eigenen Rechner läuft. Es ist daher ganz wichtig zwei wesentliche Unterschiede zu kennen. Denn ein Smart Home ohne Cloud kann es in meinen Augen immer aus zwei Gründen geben, die wir uns nun genauer ansehen wollen.

Lokale Datenverarbeitung

Der erste Grund für die Nutzung eines Smart Home ohne Cloud besteht darin, dass die eigenen Daten die eigenen vier Wände nicht verlassen sollen. Oder zumindest nur sehr begrenzt. Das bedeutet nun, dass die wesentliche Verarbeitung auf einer eigenen Hardware, wie zum Beispiel dem Raspberry Pi erfolgen soll.

Dieser Fall schließt nun für dich allerdings nicht komplett die Nutzung einer Cloud aus. In diesem Fall ist es dir nur wichtig, dass die Kernelemente deines Smart Homes bei dir Zuhause liegen. Hierfür eignet sich hervorragend ein offenes System, wie zum Beispiel ioBroker oder OpenHAB. Diese Systeme werden beispielsweise auf einem Raspberry Pi installiert und verarbeiten dort ihre Daten.

Ergänzende Systeme, wie zum Beispiel der Sprachassistent, werden lediglich dazu eingesetzt, Geräte zu steuern. Die Menge an übertragener Informationen hält sich hier in Grenzen und kann durch die Entfernung der einzelnen Geräte beeinflusst werden. Dabei musst du natürlich für den Moment außer Acht lassen, dass auch Sprachassistenten jederzeit zuhören können.

Außerdem kann bei der lokalen Datenverarbeitung auf zusätzliche Schnittstellen im Internet zurückgegriffen werden, die zum Beispiel den täglichen Wetterbericht übermitteln.

Raspberry Pi 4 Model B
Ein Raspberry Pi kann als Smart Home Zentrale dienen

Isoliertes System

Die zweite Option besteht darin, sich ein völlig isoliertes System zu bauen. Das bedeutet, dass das Smart Home keine Daten von außerhalb nutzt und auch keine Daten dorthin übermittelt. Die einzige Ausnahme bildet höchstens die Installation von Software-Updates.

Wichtige Grundvoraussetzung hierzu ist, dass jedoch auch keine der eingesetzten Komponenten eine Verbindung nach außen aufbaut oder diesen der Zugang zum Internet verwehrt wird. In der FritzBox kann man das zum Beispiel einstellen, indem man die Funktion der Kindersicherung nutzt.

Isolierte Systeme sind nicht anfällig für Störungen im Netzwerk. Sobald die Internetverbindung ausfällt, arbeitet das System wie gewohnt weiter. Da es außerdem nicht auf Daten von außen angewiesen ist, gibt es auch keine Einschränkungen.

Viele Nutzer forcieren genau ein solches System, doch stoßen dabei immer wieder auf Grenzen. Diese Grenzen können sie leider selbst nicht beeinflussen und sehen sich in gewisser Weise hilflos ausgeliefert.

Die Probleme bei den Geräten

Blicken wir einmal genau auf den Punkt Grenzen. Als Beispiel nehme ich mir hierbei einen Saugroboter vor, den ich in meinem Smart Home selbst einsetze und den auch du mit großer Sicherheit kennst. Ich spreche hierbei vom iRobot Roomba s9+. Er reinigt in meinem Fall täglich die Wohnung und sorgt so für ein sauberes Zuhause, ohne dass ich regelmäßig selbst staubsaugen muss.

Um ihn problemlos steuern zu können, nutzt der Saugroboter eine App. Diese App kannst du dir kostenlos im App Store herunterladen. Sie baut dann eine Verbindung zu den entsprechenden Servern auf, die bei Amazon AWS gehostet sind (Quelle: iRobot). Sicherlich besteht nun die Option zu sagen, dass du auf die Cloudfunktionen verzichten möchtest und den Saugroboter immer per Hand startest. Das hat allerdings zur Konsequenz, dass auch dein smartes Zuhause dieses Gerät nicht mehr steuern kann.

Die Kommunikation der iRobot-Geräte erfolgt über das MQTT-Protokoll (Quelle: FHEM). Hierzu werden kontinuierlich Daten zwischen deinem Roboter und der Cloud (in diesem Fall bei AWS) ausgetauscht. Dein Smart Home verbindet sich nun mit diesem MQTT-Server und ist so dazu in der Lage, die Statusinformationen abzurufen und dem Gerät Befehle zu übermitteln. Bei einem Smart Home ohne Cloud bedeutet das nun, dass eine Steuerung überhaupt gar nicht möglich ist.

Dieses Problem zeigt, dass die Auswahl der Geräte eine maßgebliche Rolle spielt, wenn es um die Unabhängigkeit zur Cloud geht. Selbst wenn du bereits ein System hast, das seine Daten auf einem eigenen Server bei dir Zuhause verarbeitet, muss hier zwangsläufig eine externe Verbindung hergestellt werden. Ein solches Gerät würde demnach schon im Voraus ausscheiden, das es dem Smart Home ohne Cloud widerspricht.

Das Spiel mit der Suche nach entsprechenden Cloud-Geräten kann man nun noch viel weiter treiben. Im Grunde führt es dazu, dass du selbst bei jedem Gerät sehr gründlich recherchieren musst, ob es sich mit deinem Ziel vereinbaren lässt.

Was ist die Alternative?

Neben einem Smart Home ohne Cloud kannst du sämtliche Logik direkt in die Cloud verlegen. Soll heißen, du wählst genau den umgekehrten Weg und verlagerst all deine Dienste auf fremde Server, die nicht deiner Kontrolle unterliegen.

Alternativ dazu gibt es auch Systeme, die ohne Internetverbindung betrieben werden können. Hier liegt somit die grundlegende Logik für die Steuerung diverser Geräte. Ein Teil der Geräte kann nun auch offline genutzt werden, während ein anderer Teil eine Abhängigkeit zur Cloud hat. Kommt es nun zum Ausfall des Internets oder einer Cloud, kannst du zumindest einen begrenzten Umfang deines digitalen Zuhauses verwenden.

Zu den Systemen, die ohne Internetverbindung genutzt werden können, zählen Homematic, HomeKit, Bosch und der Rademacher Homepilot (Quelle: Digitalzimmer).

Welcher Weg für dich der richtige ist, hängt dabei stark von deinen Bedürfnissen ab. In jedem Fall musst du für dich klären, welche Geräte du in deinem Smart Home brauchst und welcher Hersteller deine Bedürfnisse am besten erfüllen kann. Dabei kommt auch die Frage nach der Verbindung zur Cloud zum Tragen. Nicht immer ist es dabei der vernünftigste Weg, alle Abhängigkeiten zu eliminieren. Manchmal genügt es schon, die Abhängigkeiten zu reduzieren.

Meine Herangehensweise

Ich gebe offen und ehrlich zu, dass ich mir ein Smart Home ohne Cloud nicht vorstellen kann. Dafür bieten mir externe Dienste oftmals zu viel Komfort, als dass ich darauf verzichten möchte. Sehr wohl bin ich mir aber darüber im Klaren, dass gerade dieser Komfort mit einer Abhängigkeit einhergeht.

So habe ich mich vor langer Zeit dazu entschlossen, dass wichtige Funktionen und Systeme jederzeit ohne Cloud funktionsfähig sein müssen. Dazu zählt zum Beispiel die Alarmanlage, das Türschloss und die Beleuchtung. Ich möchte nicht eines Abends in meinem Zuhause stehen und das Licht nicht mehr eingeschaltet bekommen. Auf Komfortfunktionen, wie zum Beispiel der Abruf von Wetterdaten oder die Nutzung des Saugroboters könnte ich für eine gewisse Zeit verzichten. Auf Dauer zwar nicht, für eine absehbare Zeit jedoch schon.

Das führt in meinem Smart Home dazu, dass ich Geräte in unterschiedliche Kategorien einteile, bei denen dann auch die kontinuierliche Versorgung mit Strom eine Rolle spielt. Hierzu habe ich bereits einen Artikel geschrieben, in dem ich mich mit dem Thema unterbrechungsfreie Stromversorgung beschäftige.

Sollte es nun zum Fall des Falles kommen, kann ich mein eigenes vernetztes Zuhause mit einem reduzierten Funktionsumfang weiter betreiben und muss keine Sorge haben, dass ich von jetzt auf gleich ohne alle Funktionen im Dunkeln sitze. In meinen Augen ist das ein vernünftiger Weg, um zwar die Abhängigkeiten zu reduzieren, jedoch nicht komplett auf Komfort verzichten muss. Das führt weiterhin auch dazu, dass ich mein Smart Home nach Belieben erweitern kann, da ich eine gesunde Abwägung treffe.

Systeme, die für mich sicherheitsrelevant sind, müssen jederzeit ohne Internet- und Cloudverbindung auskommen. Nur so kann ich eine durchgehende Sicherheit sicherstellen, die mir im Zweifel auch das Leben retten kann. Dabei muss ich nur einmal an das Thema Rauchmelder denken.

Wie du also sehen kannst, ist ein Smart Home ohne Internet prinzipiell möglich. Jedoch ist es nicht in jedem Fall sinnvoll. Du solltest daher eine gesunde Abwägung treffen und immer speziell für jede Funktion oder jedes Gerät entscheiden, ob du mit einer Cloudabhängigkeit leben kannst oder es für dich nicht in Frage kommt.


Lukas

Hey, ich bin Lukas. Seit einigen Jahren schreibe ich in meinem Smart Home Blog über Hausautomation und Digitalisierung. Als Wirtschaftsinformatiker weiß ich, wie wichtig die Vernetzung von IT-Systemen ist. Diese Erkenntnisse übertrage ich auf mein eigenes Smart Home, das ich auf Basis von ioBroker betreibe. Hierzu nutze ich die Leistung eines eigenen Rackservers in meinem Keller, der alle Dienste und Smart Home Systeme aufrecht erhält. Mit ihm habe ich mir einen großen Traum erfüllen können. In deinen Ohren klingt das mindestens genauso spannend, wie für mich? Dann komm mit auf unsere Reise zu einem vollwertigen, sicheren und komfortablen Smart Home. Ganz oben findest du Verknüpfungen zu Social Media, wo du mir gerne folgen darfst. Ich freue mich auf dich!

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