Wäre es manchmal nicht schön, die ganze Flut an Smart Home Apps hinter sich zu lassen und wirklich das Non-Plus-Ultra in der Hosentasche zu haben? Ich für meinen Teil bin jedenfalls häufig genervt davon, wie viele Apps das Smart Home eigentlich braucht.

Da wären natürlich die Standard-Apps für die Beleuchtung, den Saugroboter, das Smart Home System, den Diffusor, die Alarmanlage, … Ich denke es ist klar, worauf ich hinaus will.

Gerade wer dann noch mit mehreren Personen in einem Haushalt lebt, hat meiner Meinung nach ganz schön was zutun. Hast du schon einmal bei mehreren Personen Apps eingerichtet? Also installiert, erklärt, eingeloggt und dann noch darauf geachtet, dass alle ihre Funktionen richtig nutzen können? Man ist das ein Stress!

Doch nicht nur hier gibt es meiner Ansicht nach ein Problem mit dem Smart Home. Gerade für Einsteiger ist es häufig völlig unklar, welche Smart Home Apps man denn nun eigentlich braucht. Ich gebe ganz ehrlich zu, manchmal verliere auch ich etwas den Überblick. Klar könnte man nun nachdem man den Durchblick hat ein Gerät hernehmen und dort alle installieren. Aber will man sich wirklich ein Tablet kaufen, nur um das Smart Home zu steuern? Ich weiß es wirklich nicht.

Um ein wenig Licht ins Dunkle zu bringen möchte ich heute mit dir das Thema der Smart Home Apps angehen. Wir schauen uns mal an, was es grundsätzlich für Apps gibt und worin sie sich eigentlich unterscheiden. Dazu sei gleich zu Beginn gesagt, dass ich selbstverständlich nicht jede App aufnehmen kann. Dafür ist der Markt einfach viel zu groß. Leider.

Die Hersteller-Apps – Ein Must-Have?

Im Internet finden sich einige interessante Informationen zum Thema Apps. Doch eine wichtige Gruppe von Apps wird meiner Meinung nach immer etwas ausgeblendet: Die Hersteller-Apps. Doch warum sind sie denn so wichtig?

Nun ja, im Grunde können wir mit den offiziellen Hersteller-Apps nicht nur unsere smarten Geräte steuern. Oft sind sie schon bei der Einrichtung zwingend erforderlich. Nehmen wir als Beispiel einen iRobot-Saugroboter. Man kann ihn über ioBroker ansteuern und automatisieren (Quelle: GitHub, ioBroker). Die grundlegende Einrichtung und Registrierung kann jedoch nur über die Hersteller-App erfolgen (Quelle: iRobot). Das bedeutet also, dass wir zumindest für die Einrichtung (mancher) Geräte zwingend auf die offiziellen Apps angewiesen sind.

Stellt man sich also die Frage nach den richtigen Smart Home Apps wird klar, dass manche Funktionen nicht durch eine universelle App abgedeckt werden können. Hier fehlt es nicht selten an Schnittstellen oder auch an den passenden Integrationen.

Für die Steuerung der meisten Geräte hingegen ist man nicht zwingend auf die offiziellen Apps angewiesen. Gibt es zum Beispiel passende Schnittstellen, so können Entwickler Erweiterungen bereitstellen, um gewisse Funktionen in ein zentrales Smart Home System zu integrieren. Das ist in den meisten Fällen genau dann der Weg, wenn es sich um ein Open-Source-System wie zum Beispiel ioBroker handelt (Quelle: ioBroker). Doch auch für andere Systeme gibt es Erweiterungen, so dass viele Funktionen unter einem Dach zusammengefasst werden können.

Das führt uns auch schon zum nächsten Punkt bei den Smart Home Apps.

Universelle Apps fürs Smart Home

Ohne Frage zählen die universellen Apps fürs Smart Home zu denjenigen, die uns eine Menge nützlicher Features liefern. Zum Beispiel können wir so innerhalb der gleichen Anwendung die Lampen oder auch die Alarmanlage steuern. Wie bereits korrekt von Home&Smart angemerkt, ist die Auswahl dabei natürlich etwas beschränkt (Quelle: Home&Smart). EnBW weist außerdem korrekterweise daraufhin, dass man vor dem Einsatz einer solchen App (oder eines solchen Systems) prüfen sollte, ob die eigenen Komponenten denn damit kompatibel sind (Quelle: EnBW). Ohne Prüfung läuft man Gefahr, dass sich das Smart Home am Ende gar nicht so umsetzen lässt, wie es denn eigentlich gewünscht war.

Doch welche universellen Apps gibt es denn am Markt?

Nun ja, grundsätzlich sind solche universellen Apps in der Regel dadurch gekennzeichnet, dass eine eigene Zentrale zum Einsatz kommt. Sie hält die Verbindungen zu anderen Systemen aufrecht und sorgt dafür, dass Automatisierungen zentral angelegt und ausgeführt werden können. Zu den klassischen Beispielen zählen wohl hierbei die App von Amazons Alexa oder die des Google Home. Beide bringen ihre eigene Bridge in Form eines Sprachassistenten mit sich, welcher jedoch wiederum abhängig von einer Internetverbindung ist.

Abseits der von großen Konzernen üblichen Pfaden existieren jedoch auch noch weitere Lösungen. So kann zum Beispiel ioBroker als Gesamtsystem die Steuerung übernehmen und bietet bei Bedarf eine eigene App an, innerhalb welcher man sich seine eigene Steuerung zusammenbauen kann. Ähnlich funktioniert es beim Einsatz von OpenHAB, Home Assistant oder FHEM. Und auch so manches Unternehmen hat diesen Bedarf der zentralen Steuerung erkannt.

Von Mediola gibt es zum Beispiel ein Gesamtsystem, welches zur Integration mehrerer Bridges in der Lage ist und so eine einheitliche Steuerung ermöglicht. Anders als andere Lösungen, handelt es sich hierbei jedoch um ein sogenanntes proprietäres System. Das bedeutet, dass hierfür Kosten anfallen und möglicherweise auch Lizenzgebühren.

ioBroker Vis Future Vorlage
Beispiel einer Visualisierung für ioBroker

Universelle Apps ohne Bridge?

Etwas stutzig werden sollte man bei Smart Home Apps genau dann, wenn es um die Zentralisierung von Geräten geht, ohne dass hierfür eine eigene Bridge ins Spiel kommt. Grundsätzlich ist dagegen nichts einzuwenden, jedoch muss man hier etwas Essenzielles beachten.

Während eigene Bridges meist den Vorteil haben, dass sie auch offline gesteuert werden können (Achtung, nicht in jedem Fall), brauchen Online-Systeme immer eine aktive Internetverbindung. So ist es zum Beispiel auch im Falle von Home Connect (Quelle: Home Connect). Zwar kann die App viele Geräte vereinen, jedoch setzt diese Zentralisierung voraus, dass dein Smartphone und deine Geräte mit dem Internet verbunden sind. Das bedeutet nun, dass wenn die Internetverbindung ausfällt, kannst du deine Geräte nicht mehr so einfach zentral steuern.

Im Falle des Verlusts der Internetverbindung musst du also entweder auf die herkömmlichen Apps zurückgreifen oder warten bis wieder eine Verbindung besteht. Wer sich diesem Umstand bewusst ist und sich trotzdem dafür entscheidet, völlig in Ordnung. Wer sich allerdings für eine solche Lösung entscheidet und sich diesem Umstand nicht bewusst ist, schlecht.

Du siehst also anhand von diesem Beispiel, dass es nicht immer ganz so einfach ist, die richtige Entscheidung für dein Smart Home zu treffen. Schon bei der Auswahl der entsprechenden App gilt es, die Augen offen zu halten und wachsam gegenüber möglichen Einschränkungen zu sein.

Mediola AIO Gateway V6
Beispiel für eine universelle Zentrale

Wie ich mein Smart Home steuere

Grundsätzlich muss ich sagen, dass ich nichts gegen die Hersteller-Apps einzuwenden habe. Klar, manche könnten technisch gesehen wesentlich besser sein, doch meist erfüllen sie ihren Zweck. Ich persönlich komme auch ganz gut damit klar, dass ich verschiedene Apps parat haben sollte.

Was mich allerdings enorm stört ist, dass ich übergreifende Automatisierungen nur dann erstellen kann, wenn ich die Geräte irgendwo zentral eingerichtet habe. In meinem Fall ist das ioBroker. Ebenso ist es für mich persönlich einfacher und auch eleganter, wenn ich sämtliche Steuerungen aus einer App heraus erledigen kann. Hierzu habe ich mir zum Beispiel eine eigene Visualisierung für das Tablet und das Smartphone gebaut. Dort kann ich nun die Funktionen bündeln, welche ich entweder immer parat haben sollte und jene, welche ich nur ab und an brauche. Je nachdem wie hoch die Priorität der einzelnen Funktionen ist, wandern sie entweder direkt auf den Startbildschirm oder in ein eigenes dafür vorgesehenes Untermenü.

Ergänzend zur App selbst kommt bei mir noch ein Sprachassistent zum Einsatz, welcher jedoch seine Geräte direkt aus ioBroker bezieht. Er stellt also eine alternative Bedienmöglichkeit zur Verfügung, die ich bei Bedarf und auf Wunsch ebenfalls nutzen kann.

Ich gebe aber auch offen und ehrlich zu, dass ich für manche Dinge ab und an gerne die Hersteller-Apps verwende. Zum Beispiel wenn ich eine einzelne Lampe ein- oder ausschalten möchte, greife ich direkt zur Hue-App. Dabei habe ich gemerkt, dass meine eigene Visualisierung für solche Kleinigkeiten manchmal etwas zu kompliziert ist. Man merkt also deutlich, dass andere Apps unter Umständen viel besser auf die jeweiligen Bedürfnisse angepasst sind.

Folgen geht schneller als Lesen. Probiere es jetzt aus.

Welche ist nun die richtige App?

Die Frage nach der richtigen App habe ich bislang noch nicht beantwortet. Doch woran liegt das? Ganz einfach, ich kann es nicht.

Welche App du auch immer für dein Smart Home nutzen möchtest, obliegt dir. Ich kenne deine Gewohnheiten, Anforderungen und Wünsche nicht. Ich kann dir jedoch sagen, dass sich der Einsatz einer universellen Lösung (z. B. ioBroker) auf jeden Fall dann lohnt, wenn du vom Internet in gewisser Weise unabhängig sein willst und dennoch verschiedene Geräte bündeln willst. Ebenso lohnt sich eine solche Lösung auch dann, wenn du übergreifende Automationen erstellen möchtest. Das geht leider bislang anders noch nicht.

Hast du allerdings nur ein paar smarte Lampen und vielleicht einen Saugroboter, bist du möglicherweise mit den Hersteller-Apps besser bedient. Das liegt mitunter daran, dass hier der Aufwand deutlich geringer ist und du dennoch alles bequem vom Smartphone ansteuern kannst. Der Aufwand ein weiteres Gerät oder eine weitere Software in Betrieb zu nehmen wäre vermutlich nicht gerechtfertigt.

Sofern du bislang noch am Anfang des Smart Homes stehst, solltest du dir auch ein wenig Zeit einräumen, um verschiedene Lösungen auszuprobieren. Nicht jede Lösung, die als so super toll bezeichnet wird, muss in deinem Fall die richtige sein. Es kann durchaus auch vorkommen, dass du eine völlig andere Art der Steuerung bevorzugst. Denn das ist genau das, was das Smart Home eigentlich ausmacht. Es ist so individuell wie du. Du kannst es auf deine Bedürfnisse anpassen und du kannst es in viele Richtungen erweitern. Denn manchmal kann es ja auch vorkommen, dass sich das Leben auf einmal verändert und du dein Smart Home an die neue Situation anpassen musst.


Lukas

Hey, ich bin Lukas. Seit einigen Jahren schreibe ich in meinem Smart Home Blog über Hausautomation und Digitalisierung. Als Wirtschaftsinformatiker weiß ich, wie wichtig die Vernetzung von IT-Systemen ist. Diese Erkenntnisse übertrage ich auf mein eigenes Smart Home, das ich auf Basis von ioBroker betreibe. Hierzu nutze ich die Leistung meines eigenen Server-Clusters aus dem Keller. In deinen Ohren klingt das mindestens genauso spannend, wie für mich? Dann komm mit auf unsere Reise zu einem vollwertigen, sicheren und komfortablen Smart Home. Ganz oben findest du Verknüpfungen zu Social Media, wo du mir gerne folgen darfst. Ich freue mich auf dich!

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