Es war wohl für manche ein Schock, für andere ein Erfolgserlebnis. Elon Musk kauft sich Twitter. Während andere am Wochenende versuchen günstig über die Runden zu kommen, shoppt er kurzerhand für 44 Milliarden ein soziales Netzwerk (Quelle: Tagesschau). Seither wandern die einen oder anderen Twitterer zur Mastodon Software ab. Und auch ich habe es zum Anlass genommen, mir Mastodon etwas genauer anzusehen.

Selbstverständlich habe auch ich noch nicht alle Hintergründe, Funktionen oder Verhaltensregeln durchschaut. Das wird auch noch eine Weile dauern. Doch mich fasziniert die Mastodon Software und ich denke, es ist durchaus einen Artikel wert.

In diesem Artikel bekommst du also keine Hintergründe oder Informationen eines Profis. Stattdessen erzähle ich dir aus meiner ganz persönlichen Sicht, wie ich Mastodon wahrnehme und wie ich es nach heutigem Wissen einzuschätzen glaube. Dazu blicken wir auch auf ein paar technische Aspekte. Denn im Gegensatz zu Facebook und Twitter, funktioniert die Mastodon Software komplett anders.

Wenn du schon bei Mastodon angemeldet bist, dann kannst du gerne auch mal bei mir vorbeischauen. Vielleicht interessiert es dich ja, was ich zu sagen habe.

Mastodon Software erklärt

Die Mastodon Instanzen

Die Mastodon Software basiert auf verschiedenen Servern. Diese einzelnen Server werden gerne auch als Mastodon Instanzen bezeichnet. Grundsätzlich bedeutet es, dass jeder einen eigenen Mastodon Server in Betrieb nehmen kann, um am Geschehen teilzunehmen.

Für die Kommunikation unter den verschiedenen Instanzen, wird ActivityPub genutzt. Hierbei handelt es sich um ein Protokoll zur Bereitstellung von dezentralen sozialen Netzwerken (Quelle: w3.org). Wer also dieses Protokoll in seine Software integriert, kann am Geschehen teilnehmen. Hierzu muss noch nicht einmal ein Mastodon Server genutzt werden, solange das Protokoll integriert ist (Quelle: Mastodon, Github).

Die kompletten Kurznachrichten oder Mikroblogs sind somit auf viele verschiedene Server verteilt. Wer seinen eigenen Server aufsetzt, entscheidet damit schlussendlich auch ganz allein, was mit seinen Daten passiert. Ein Beispiel hierfür ist Jan Böhmermann. Laut eigenen Aussagen im Mastodon Netzwerk bastelt die IT bereits an der Installation von zwei Mastodon Instanzen. Aber auch Landesregierungen wie die in Baden Württemberg tröten munter auf einem eigenen Server (Quelle: bawü.social).

In meinen Augen zeigt genau das ein großes Potenzial der Mastodon Software. Doch dazu kommen wir gleich nochmal.

Pro Instanz ein Account?

Eine sehr interessante Frage bei der Nutzung der Mastodon Software stellt sich schon recht früh. So kommen auch im Netzwerk selbst immer wieder die Fragen auf, ob man sich auf jeder Instanz neu registrieren muss oder pro Server einen eigenen Account braucht.

Durch die Vernetzung der Server untereinander kann man dazu allerdings klar Nein sagen. Zumindest sofern die Server miteinander kommunizieren können. Nach meinem Kenntnisstand kann jeder Administrator einer Instanz andere Instanzen blockieren, um so die Kommunikation zu unterbrechen. Ein Beispiel für das man diese Funktion nutzen kann ist, wenn ein anderer Server gegen das Gesetz verstößt oder Hassrede im Internet verbreitet.

Weiterhin gibt es eine tolle Funktion, um das bestehende Profil auf einen anderen Server zu schieben. So kannst du zum Beispiel auf einem Server beginnen, dein Profil aber später auf einen anderen Server umziehen. Nützlich kann das vor allem dann sein, wenn du im Laufe der Zeit einen eigenen Server betreiben möchtest oder auf den Server eines Freundes wechseln willst.

Wie finde ich einen Server?

Eine weitere gute Frage zu Beginn (die auch ich mir gestellt habe) ist, wie man den passenden Server finden kann. Hier gehen die Meinungen ein wenig auseinander. Denn es gibt sowohl große als auch kleine Server. Manch einer gibt den Rat, dass der Beginn auf einer großen Instanz besser ist. Andere wiederum raten zu eher lokalen Servern, die oftmals sogar stadtbezogen sind.

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Ich persönlich habe mich für die Instanz mastodon.social entschieden. Hierbei handelt es sich um eine große Instanz, die zum Zeitpunkt meiner Anmeldung sogar ein wenig Schwierigkeiten hinsichtlich der Performance bekommen hatte. Das hing allerdings mit dem großen Ansturm auf den Server zusammen.

Wer sich schon im Voraus eher für einen etwas passenderen Server entscheiden möchte, wird auf joinmastodon.org fündig. Dort gibt es eine große Auswahl an Servern, die eine Anmeldung erlauben. Unter anderem zu finden sind dort Kategorien wie Regional, Technologie, Allgemein und Gaming. Ebenso erklärt ist dort auch, dass man seinen Account später in eine andere Community verschieben kann, ohne dabei Follower zu verlieren.

Womit wir im Grunde auch schon wieder beim nächsten Stichwort sind.

Welche Bedeutung haben Follower?

Grundsätzlich gibt es bei Mastodon (anders als bei Twitter) keinen Algorithmus, der darüber entscheidet, welche Nachrichten du siehst. Reichweite erlangst du durch Follower und geteilte Beiträge. Das Teilen wird von der Community dabei auch als Boostern bezeichnet.

Jedoch gilt zu wissen, dass die Mastodon Community gar nicht so scharf auf Follower ist. Viel mehr steht der Austausch mit anderen Menschen im Vordergrund, der auf eine höfliche und respektvolle Art erfolgt. Sicherlich finden sich dort auch Accounts mit einer großen Followerschaft. Doch das ist gar nicht der Grundgedanke des Netzwerks.

Wie man es eigentlich von anderen sozialen Netzwerken kennen müsste, steht nämlich das soziale Miteinander ganz stark im Vordergrund. Man folgt, wenn man jemanden interessant findet, interagiert mit anderen Personen und beteiligt sich an interessanten Unterhaltungen im Netzwerk. Du kannst es dir im Grunde vorstellen, wie das Treffen mit deinen Freunden. Auch dort gilt es Spaß zu haben und nicht möglichst viele Menschen um sich zu haben.

Nach so vielen Jahren mit Algorithmen, Reichweite und Influencern sind wir eine solche Kommunikation schon fast gar nicht mehr gewohnt. Aber es fühlt sich gut an. Es nimmt sicherlich ein wenig Druck und fördert das Miteinander unter den angemeldeten Personen.

Wie ernst ist das Miteinander?

Ich muss ein wenig schmunzeln, wenn ich über diese Frage nachdenke. Denn vor kurzer Zeit hat sich ein recht bekannter Politiker ebenfalls auf einer der Mastodon Instanzen registriert und schon mal drauf los getrötet (als Tröts werden die Beiträge bezeichnet). Schon nach kurzer Zeit wurde er durch die Community auf eine freundliche Art und Weise darauf hingewiesen, dass es sich gehört eine kurze Vorstellung über sich zu schreiben.

Wie konsequent das angegangen wird wurde dabei besonders deutlich. Sinngemäß sagte man ihm, dass auch bekannte Persönlichkeiten einen kurzen Beitrag mit dem Hashtag #neuhier schreiben sollten, da das dem Respekt und der gewohnten Verhaltensweise entspricht.

Sicherlich wird das nun nicht jede Person erfreuen. Doch ich finde es gut, dass die Community auch hier auf eine Gleichbehandlung setzt. Es geht eben nicht darum, andere von sich zu überzeugen, sondern miteinander zu interagieren. Es ist gewissermaßen wie das Treffen einer neuen Person. Auch hier stellt man sich vor damit jeder weiß, mit wem man es zutun hat.

Welche Vorteile hat die Mastodon Software?

Blickt man auf den Ansatz eines dezentralen Netzwerks stellt man sich vielleicht schnell die Frage, welche Vorteile das mit sich bringt. Auch ich habe mir die Frage gestellt, da sie meiner Meinung nach nicht zu unterschätzen ist.

Einen der Vorteile habe ich dir bereits verraten. Hier geht es darum, dass du mit einer eigenen Instanz die volle Kontrolle über deine Beiträge hast. Du verwaltest deinen Mastodon Server und kannst andere Server von der Kommunikation aussperren. Da die Daten auf deinem eigenen Server oder einem Server deines Vertrauens liegen, musst du dir auch keine Sorgen darum machen, dass sie für Marketingzwecke missbraucht werden.

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Darüber hinaus besteht hinter den Mastodon Instanzen kein kommerzieller Hintergrund. So kommt auch niemand in der Versuchung, dir durch Algorithmen irgendwelche Werbung aufs Auge zu drücken oder aus dir Profit zu schlagen. Wobei man natürlich auch immer etwas vorsichtig sein muss bei dieser Argumentation. Denn man kann selbstverständlich auch als schwarzes Schaf unterwegs sein und die Grundsätze untergraben.

Betrachtet man darüber hinaus mal die Störung, welche auch schon bei Facebook aufgetreten ist, wird klar, dass das so bei Mastodon nicht passieren kann. Verschwindet ein Server aus dem Netzwerk, bleiben die restlichen übrig und können weiter ihrer Aufgabe nachgehen. Es wird damit auch unfassbar schwierig, das Netzwerk stillzulegen, denn es wird nicht zentral gesteuert. Das macht auch das Blockieren, Stilllegen oder Verkaufen schwierig bis unmöglich. Solange es Menschen gibt, welche das Netzwerk betreiben, wird es immer weiter leben.

Und die Nachteile?

Wo Licht ist, gibt es auch Schatten. Das ist normal. So ist das eben auch bei der Mastodon Software. Denn wer hier auf einem fremden Server agiert muss sich bewusst sein, dass all seine Eingaben durch den Serveradministrator ausgelesen werden können. Das bedeutet im Extremfall auch, dass der Admin Zugang zu privaten Nachrichten hat. Jedoch – und das ist wichtig – gibt es keinen Grund zur Entwarnung, sofern man stattdessen lieber bei Twitter privat chattet. Denn auch dort werden die Nachrichten über fremde Server geleitet und können dort eingesehen werden.

Ein etwas weniger technischer Nachteil ist die Orientierung. Es ist gerade für Einsteiger durchaus schwierig, die Komplexität schnell erfassen zu können. Denn Mastodon arbeitet einfach anders. Es gibt keine Algorithmen, die dir sagen, was du lesen sollst. Es gibt auch kein Unternehmen, dass zentral alle Beiträge prüfen kann und entsprechend vorgeht. Gerade die Prüfung von Inhalten erfolgt durch den Administrator und möglicherweise Freiwilligen, die ihre Plattform unterstützen wollen.

Darüber hinaus ist der Betrieb der Software und Server von Geld abhängig. Auch wenn das Netzwerk kostenlos zur Verfügung steht, muss irgendwer den Preis bezahlen. In diesem Fall sind das all die Freiwilligen, die einen Server bereitstellen. Die einzige Lösung hierfür ist das Spenden an die Administratoren, so dass sie den Betrieb weiter aufrechterhalten können.

Gibt es ähnliche Technologien?

Tatsächlich finden sich im Internet weitere interessante Dienste, die nach diesem Prinzip arbeiten. Dezentral und „jeder für sich“. Ein Beispiel hierfür ist in meinen Augen Bitcoin. Auch hier werden dezentrale Server bereitgestellt, so dass sich das Netzwerk von allein tragen kann.

Niemand vertraut hier dem anderen und so werden Transaktionen geprüft und bestätigt. Erst dann kann man davon ausgehen, dass die Transaktion sauber verlaufen ist. Ähnlich ist es bei Mastodon. Sofern jemand mit seinem Server Unfug treibt und von vielen gesperrt wird, grenzt das Netzwerk ganz gezielt Teilnehmer aus, die möglicherweise gegen Gesetze oder Menschenrechte verstoßen.

In meinen Augen gehen wir dazu über, niemandem im Internet zu vertrauen und stattdessen mehr Kontrolle zu übernehmen. Schlussendlich geht uns insbesondere Social Media alle etwas an. Während herkömmliche Netzwerke mit jedem Benutzer quasi machen können was sie wollen, ist das bei Mastodon anders. Und genau dieser Ansatz macht das ganze Thema in meinen Augen so spannend.

Wenn wir selbst von dem Gedanken weg kommen, dass irgendwer unser Netzwerk anbietet und stattdessen dazu übergehen zu sagen, dass wir unser eigenes Netzwerk anbieten, dann kann ein Miteinander entstehen. Und dass Social Media heute nicht mehr nur für gute Zwecke genutzt wird … Nun ja, dafür gibt es Beispiele. Eines davon kann zum Beispiel Cambridge Analytica sein, was insbesondere im Wahlkampf in den Vereinigten Staaten zum Thema wurde (Quelle: Wikipedia).


Lukas

Hey, ich bin Lukas. Seit einigen Jahren schreibe ich in meinem Smart Home Blog über Hausautomation und Digitalisierung. Als Wirtschaftsinformatiker weiß ich, wie wichtig die Vernetzung von IT-Systemen ist. Diese Erkenntnisse übertrage ich auf mein eigenes Smart Home, das ich auf Basis von ioBroker betreibe. Hierzu nutze ich die Leistung meines eigenen Server-Clusters aus dem Keller. In deinen Ohren klingt das mindestens genauso spannend, wie für mich? Dann komm mit auf unsere Reise zu einem vollwertigen, sicheren und komfortablen Smart Home. Ganz oben findest du Verknüpfungen zu Social Media, wo du mir gerne folgen darfst. Ich freue mich auf dich!

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