Solange ich mich erinnern kann, hat es mir Apple irgendwie angetan. Ich wollte eigentlich immer ein MacBook haben, bin aber nie von Windows umgestiegen. Kaum verwunderlich, denn ich nutze gerne gewohnte Software. Ist manchmal hinderlich, aber immer Realität. Vor einiger Zeit habe ich euch danach gefragt, welches System ihr nutzt und Mac OS X ist auf Platz 1. Daran knüpfen wir heute mit dem Thema Homebridge an.

Welches Betriebssystem nutzt du (primär) auf deinem PC?

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Denn Homebridge ist eine Software für das Smart Home, die insbesondere bei eingefleischten Apple-Nutzern zum Einsatz kommt. Der Grund hierfür ist ziemlich schnell erklärt. Apple erlaubt nur zertifizierte Geräte in HomeKit. Das sorgt auf Seiten der Gerätehersteller für große Hürden und eine Menge Aufwand. Diesem Aufwand stellen sich nicht alle Hersteller und hauen ihre Produkte ohne HomeKit-Kompatibilität auf den Markt.

Mehr zum Thema Zertifizierung und Apple HomeKit habe ich dir im Artikel Was genau ist eigentlich HomeKit zusammengefasst. Dort findest du auch einen großartigen Überblick über das smarte Apple-Universum.

Doch zurück zum Thema. Zurecht kann man sich nun fragen, warum es Homebridge gibt. Schließlich können auch Systeme wie OpenHAB oder ioBroker die Aufgabe übernehmen und Geräte zu HomeKit exportieren. Blicken wir also in diesem Artikel auf Homebridge und versuchen zu verstehen, weshalb auch diese Software ihre Existenzberechtigung hat.

Was ist Homebridge?

Um zu verstehen, worin die Unterschiede zwischen Homebridge und anderen Systemen bestehen, müssen wir uns mit den grundlegenden Informationen beschäftigen. Dazu ziehe ich mir die offizielle Website von Homebridge zur Hilfe, die mit dem Slogan HomeKit-Unterstützung für die Ungeduldigen wirbt. Klingt für viele sehr vielversprechend, doch ist es wirklich so einfach?

Grundsätzlich ist Homebridge eine Software, die auf diversen Plattformen lauffähig ist. Ähnlich wie ioBroker setzt sie dafür auf NodeJS, das JavaScript in einer eigenen Laufzeitumgebung ausführen kann. Hierdurch ist es möglich, JavaScript als Backend-Entwicklungssprache einzusetzen. Das bedeutet, dass in den meisten Fällen dort Homebridge ausgeführt werden kann, wo auch ioBroker lauffähig ist und umgekehrt. Ein späterer Umstieg – zu dem ich weiter unten noch etwas sagen möchte – ist damit technisch kaum ein Problem.

Zur einfachen Installation stehen mehrere Möglichkeiten zur Verfügung. Die Software kann klassisch in Linux über die Kommandozeile installiert oder auch als fertiges Image beziehungsweise Docker-Container bezogen werden. Die letzteren beiden Möglichkeiten vereinfachen die Inbetriebnahme und sind gerade bei eingefleischten Smart Home Enthusiasten eine beliebte Möglichkeit. Sicherlich ist die Installation per Kommandozeile, Image oder Container die größte Herausforderung auf dem Weg zum eigenen umfassenden Smart Home. Denn hier kann es in manchen Fällen etwas tricky werden.

Einmal installiert stellt Homebridge dann eine Brücke (engl.: Bridge) zwischen Geräten und HomeKit dar. Stromsparend auf einem Raspberry Pi installiert, sollte die Software ihre Aufgaben völlig unauffällig im Hintergrund erledigen. Im Alltag ist das besonders praktisch, denn so wird das Smart Home wesentlich vereinfacht. Damit haben wir auch schon durchleuchtet, was Homebridge ist. Es handelt sich um eine Brücke. Nicht mehr und nicht weniger. Wer dagegen auf ein System setzen möchte, das ein komplettes Smart Home mit Automatisierungen managen kann, wird mit Homebridge vermutlich nur bedingt glücklich. Doch auch dazu kommen wir gleich nochmal.

Was ist Homebridge nicht?

Homebridge ist keine vollwertige Software für das Smart Home. Das bedeutet, dass es keine Umgebung zur Erstellung von Automatisierungen oder Regeln ist. Diese Automatisierungen werden einzig und allein in HomeKit erstellt und verwaltet. Es handelt sich demnach wirklich nur um eine Brücke, nicht um ein gesamtes System. Besonders klar wird das daran, dass Homebridge ohne Plugins völlig wertlos ist. Denn erst die Plugins machen das System zu dem System, was du für den Einsatz in deinem Zuhause brauchen wirst oder kannst. Je nachdem.

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Damit ist auch direkt der Unterschied zu ioBroker und OpenHAB klar. Während sich diese Systeme der gesamten Verwaltung des Smart Homes widmen, soll Homebridge nur eine Möglichkeit bieten, nicht-unterstützte Geräte in HomeKit einzubinden. Das macht das System schlanker und vielleicht auch etwas schneller. ioBroker zum Beispiel kann schon in der Grundausstattung mit Automatisierungen arbeiten, auch wenn das ohne Geräte vermutlich relativ witzlos ist.

Mit Homebridge bist du jedoch demnach immer auf HomeKit angewiesen, denn andernfalls ergibt der Einsatz des Systems keinen Sinn.

Und wie werden Geräte eingebunden?

Die Einbindung neuer Geräte erfolgt durch Homebridge Plugins. Sie erweitern das Grundsystem um die Möglichkeiten zur Integration mehrerer Geräte. Das bedeutet grundsätzlich, dass du zu Beginn ein System bekommst, das nur die Basics kennt. Diese Basics erweiterst du dann mit den Homebridge Plugins, die zum Beispiel eine Brücke zwischen HomeKit und Ring bilden.

Bei Homebridge geht man dabei den Weg, dass Plugins verifiziert werden. So können die Nutzer sich sicher sein, dass die Erweiterung problemlos mit dem System funktioniert und es nicht versehentlich zu kuriosen Zwischenfällen kommt. Auch wenn es trotzdem immer noch Schwierigkeiten geben kann. Nur die Wahrscheinlichkeit ist selbstverständlich deutlich geringer.

Die genauen Kriterien nach denen ein Homebridge Plugin verifiziert wird, kann man sich direkt auf GitHub ansehen. Dort ist ziemlich genau aufgelistet, welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen. Das macht es insbesondere für Entwickler sehr transparent und ist wirklich super.

Das Prinzip über Plugins kommt gerade ioBroker-Nutzern sicherlich etwas vertraut vor. Zwar nennen wir dort die Erweiterungen Adapter, vom Prinzip her ergänzen sie das Grundsystem jedoch ganz genauso. Auch bei OpenHAB sieht es sehr ähnlich aus. Dort spricht man von Bindings. Dementsprechend einfach ist auch die Installation von Plugins in Homebridge. Hierzu musst du nur in der Weboberfläche in den Bereich Plugins navigieren und die gewünschten Erweiterungen installieren. Auch dieses Vorgehen kennen die ioBroker-Nutzer schon sehr genau.

Die Steuerung von Homebridge

Grundsätzlich wird Homebridge über die Weboberfläche bedient. Das kann zum Beispiel am eigenen PC passieren, da das besonders bequem ist. Man hat nun mal alle benötigten Informationen direkt auf dem Schirm. Buchstäblich. Alles was du hierfür brauchst ist ein Webbrowser, den du allerdings auf nahezu jedem Gerät vorfinden wirst.

Doch das ist nicht die einzige Möglichkeit, wie die Software gesteuert werden kann. Besonders pfiffige Entwickler haben eine App entwickelt, die zur Steuerung von Homebridge verwendet werden kann. Damit kannst du im Grunde alle Aufgaben auch direkt vom Smartphone erledigen. Eine App ist dabei meist etwas intuitiver, da sie speziell für das jeweilige Gerät entwickelt wurde und der Fokus sehr stark auf der Usability liegt.

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Wenig verwunderlich dürfte dabei sein, dass Homemanager – so heißt die App – einzig für Apples mobiles System verfügbar ist. Schlussendlich bewegen wir uns hierbei auch im Apple-Kosmos und es wäre etwas seltsam, wenn man das dann auch über Android verwalten könnte. Vielleicht in manchen Fällen praktisch, aber im Grunde genügt hierbei das Apple-System.

Deutlich verwunderlicher ist allerdings, dass die App völlig kostenlos heruntergeladen werden kann. Denn man sieht ihr schon direkt an, wie viel Arbeit darin steckt. Fairerweise möchte ich an dieser Stelle auch noch anmerken, dass die App nur die notwendigsten Daten von eurem Smartphone abfragt. Dazu gehören Nutzungs- und Diagnosedaten.

Welches System empfehle ich eher?

Über Instagram hat mich neulich eine Nachricht erreicht, in der es genau um die Wahl des richtigen Systems ging. Da diese Information natürlich nicht nur für diese eine Person von Bedeutung sein kann, will ich das Thema an dieser Stelle nochmal aufgreifen. Denn ich finde, hier gibt es einen kleinen Stolperstein.

Prinzipiell würde ich Homebridge all den Usern empfehlen, die daheim bereits auf Apples HomeKit setzen. Das bedeutet, dass du deine Geräte über HomeKit verwaltest und auch dort deine Automatisierungen erstellst. In deinem Haushalt steht außerdem noch eine Zentrale für HomeKit zur Verfügung, also zum Beispiel ein Apple TV oder ein iPad, das sich dauerhaft in deinem Netzwerk befindet. Du solltest definitiv kein Interesse daran haben, in einem anderen System komplexe Automatisierungen zu bauen oder zusätzliche Funktionen in Anspruch nehmen zu wollen.

ioBroker oder OpenHAB hingegen sind Systeme, die auf die Ausgestaltung eines umfassenden Smart Homes ausgelegt sind. Hier brauchst du kein HomeKit als Zentrale, da eines der Systeme diese Rolle übernimmt. Du hast außerdem die Möglichkeit, dass du externe Systeme daran anbinden kannst. Hierzu bieten die jeweiligen Systeme eine Schnittstelle zur Übermittlung von Daten und zur Steuerung der Geräte im Smart Home.

Bevor du demnach mit einem der Systeme durchstartest, solltest du dir im Klaren darüber sein, was du erreichen willst. Prinzipiell kannst du natürlich auch auf ein anderes System umsteigen, doch aus eigener Erfahrung kann ich dir sagen was das für ein großer Aufwand ist. Ich bin während des Betriebs des Smart Homes von OpenHAB auf ioBroker umgestiegen und es war ein unfassbar großer Aufwand. Bis alles wie gewünscht lief, hat es mehrere Wochen gedauert. Inzwischen ist OpenHAB dafür komplett abgelöst.

Da wir grade schon so schön über Instagram gesprochen haben, folge mir gerne! Dort halte ich dich immer auf dem Laufenden und teile auch den einen oder anderen Schnappschuss aus meinem eigenen Zuhause. Das willst du doch nicht verpassen?


Lukas

Hey, ich bin Lukas. Seit einigen Jahren schreibe ich in meinem Smart Home Blog über Hausautomation und Digitalisierung. Als Wirtschaftsinformatiker weiß ich, wie wichtig die Vernetzung von IT-Systemen ist. Diese Erkenntnisse übertrage ich auf mein eigenes Smart Home, das ich auf Basis von ioBroker betreibe. Hierzu nutze ich die Leistung eines eigenen Rackservers in meinem Keller, der alle Dienste und Smart Home Systeme aufrecht erhält. Mit ihm habe ich mir einen großen Traum erfüllen können. In deinen Ohren klingt das mindestens genauso spannend, wie für mich? Dann komm mit auf unsere Reise zu einem vollwertigen, sicheren und komfortablen Smart Home. Ganz oben findest du Verknüpfungen zu Social Media, wo du mir gerne folgen darfst. Ich freue mich auf dich!

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