Wer kennt sie nicht, die Neugier von Gästen und Freunden. Auf der einen Seite zeigen sie damit Interesse, was etwas sehr schönes sein kann. Auf der anderen Seite wollen wir jedoch nicht immer alle Informationen von uns preisgeben. Die eigene Privatsphäre ist für uns ein sehr wichtiger Bestandteil im eigenen Leben und es lohnt sich, auch im Smart Home daran zu denken. Damit das eigene Zuhause nicht zu offen mit unseren Daten umgeht, benötigt es in manchen Fällen einen Gastmodus im Smart Home.

In diesem Artikel schauen wir uns daher das Konzept des Gastmodus im Smart Home genauer an. Wir werden grundlegende Überlegungen anstellen, weshalb sich ein solcher Modus lohnt und wir schauen uns Möglichkeiten an, wie sich das Smart Home selbst schützen kann.

Wie in den vielen vergangenen Artikeln auch, nutze ich dafür ioBroker als Basissystem. Wenn du ioBroker noch nicht kennengelernt hast, dann schau doch mal in meinem entsprechenden Themenbereich vorbei. Dort findest du sehr viele Informationen und kannst Stück für Stück deine eigene Hausautomation nach deinen Vorstellungen gestalten.

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Wozu braucht es einen Gastmodus?

Weshalb es einen Gastmodus im Smart Home braucht, kann man prinzipiell aus zwei verschiedenen Sichtweisen begründen. Die eine Sichtweise liegt auf der Preisgabe von Informationen. Die andere Sichtweise geht eher aus der Perspektive eines Besuchers an die Sache. Doch egal für welchen Blickwinkel du dich auch entscheiden magst, ein Gastmodus kann auch dir helfen.

Blicken wir zunächst aus der Sichtweise des Gasts auf das Smart Home. Welche Funktionen darf er verwenden? Welche Informationen sehen? Und welche Geräte soll er unter keinen Umständen ansteuern können? All diese Fragen kann man selbstverständlich direkt mit jeder Person individuell klären. Doch ist das der Aufwand wert? Wohl kaum. Viel besser ist es doch, wenn das Smart Home die Entscheidung übernimmt und dem Gast lediglich die Zugriffe gestattet, die er für einen Besuch im eigenen Smart Home benötigt.

Das sollte auch im Interesse des Smart Home Besitzers sein. Er will gerne einige Informationen und Geräte verstecken, die nicht für Gäste bestimmt sind. Die Steuerung des Schlafzimmers? Absolut tabu für Gäste! Aktuelle Standorte der Hausbewohner? Braucht kein Gast zu kennen! Hier greift ebenso der Gastmodus. Er versteckt sämtliche Informationen vor neugierigen Blicken und verhindert so, dass eine ungewollte Nutzung des Smart Homes eintritt.

Auch wenn dich diese Möglichkeit noch nicht überzeugt hat, kannst du auf den Prinzipien weitere Methoden aufbauen. Welche Funktionen sollen deinen Kindern im Smart Home zur Verfügung stehen? Brauchen deine Eltern wirklich Vollzugriff, während sie sich um deine Pflanzen kümmern und du gemütlich am Strand liegst?

Den Gastmodus kannst du weiter ausbauen und zusätzliche Stufen der Sicherheit einführen. So können unterschiedliche Rollen für verschiedene Möglichkeiten im Smart Home stehen, ohne dass du alles für jeden Nutzer individuell festlegen musst.

Rollenbasierte Steuerung der VIS

In meinem eigenen Smart Home habe ich tatsächlich schon damit begonnen, eine rollenbasierte Steuerung der VIS einzuführen. Hierzu muss sich jeder Benutzer am System mit seinem eigenen Konto anmelden, welches wiederum einer speziellen Gruppe zugeordnet ist. Jede Gruppe erhält dabei eigene Rechte und sieht jeweils eigene Items in der VIS.

Nun kann man beispielsweise sagen, dass ein Konto für Gäste ausschließlich die Beleuchtung in verschiedenen Räumen ansteuern darf. Gleichzeitig sieht der Besitzer des Smart Homes jedoch alle möglichen Steuerungsoptionen und hat Zugriff auf noch weitere Unterpunkte, die dem Gast verborgen bleiben. Möglich ist das durch die Verknüpfung einzelner Elemente an die Rolle des aktuell angemeldeten Benutzers. Hierzu kannst du jedes Element in deinem VIS-Editor anklicken und auf der rechten Seite auswählen, welche Benutzergruppen dieses sehen können. Kann eine bestimmte Gruppe das Element nun nicht sehen, kann sie es auch nicht steuern.

Die rollenbasierte Steuerung (oder Anzeige) bestimmter Elemente ist ein sehr mächtiger Weg, um das eigene Smart Home effizient abzusichern und nur jene Werkzeuge zur Verfügung zu stellen, die der aktuell angemeldete Nutzer wirklich braucht.

Bedenke bei der Einrichtung der VIS jedoch daran, dass du dir eine Gruppe vorbehältst, die sämtliche Zugriffsmöglichkeiten besitzt. So soll es zum Beispiel jederzeit für die Gruppe Administrator möglich sein, alle Steuerungen zu nutzen. Im Fehlerfall oder im Falle einer Wartung musst du so nicht ständig zwischen verschiedenen Benutzerkonten wechseln. Das macht dir die Arbeit wesentlich einfacher.

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Datenpunktbasierte Steuerung der VIS

Neben den Rollen kannst du einen weiteren Mechanismus nutzen, um bestimmte Elemente zu verstecken. Hierzu wird ein Datenpunkt angelegt, der entweder auf wahr oder falsch gesetzt wird. In meinem Fall, habe ich diesen Datenpunkt Urlaubsmodus genannt. Diesen Urlaubsmodus kann ich nun aktivieren, so dass andere Nutzer Zugriff auf die Steuerung meiner Wohnung erhalten. Der Urlaubsvertretung ist es damit möglich, die gleichen Elemente abzurufen, die sonst nur mir zur Verfügung stehen.

Natürlich kannst du dabei auch noch die Kombination mit der rollenbasierten Steuerung verwenden. So kann deine Urlaubsvertretung zum Beispiel auf alle Inhalte zugreifen, erhält jedoch trotzdem nicht überall den vollen Einblick.

Mit den entsprechenden Datenpunkten lassen sich so viele unterschiedliche Betriebsmodi realisieren. Urlaubsmodus, Vertretungsmodus, Gastmodus … Die Möglichkeiten sind quasi unbegrenzt. Hier kannst du dich völlig kreativ ausleben.

So funktioniert mein Gastmodus

In meinem Arbeitszimmer befindet sich momentan ein Monitor zur Überwachung des Smart Homes. Der Monitor stellt unterschiedliche Informationen bereit und kann zum Beispiel dazu genutzt werden, die Kameras anzuzeigen. Doch auch weitere Infos wie der aktuelle Stromverbrauch oder der Zustand der Garage sind dort zu finden. Für Gäste sind viele der Informationen irrelevant. Im Falle der Kameras wünsche ich mir, dass nicht jeder Gast Einblick in alle Bereiche des Hauses hat. Genau hier kommt der Gastmodus ins Spiel.

Durch meine Bildschirmsteuerung über das Smart Home kann ich jederzeit ein anderes Bild anzeigen. Dazu wähle ich auf meiner Tabletsteuerung aus, welches Bild momentan angezeigt werden soll. Zur Verfügung stehen mir dabei entweder ein Standardmodus oder ein Gastmodus. Während sich das Smart Home im Normalfall im Standardmodus befindet, kann ich den Gastmodus jederzeit aktivieren, sobald Gäste die Wohnung betreten.

Die Oberfläche des Gastmodus ist durch einen gewissen Minimalismus gekennzeichnet. So erscheint lediglich eine einzige Kamera und Informationen zum Wetter. Mehr ist darauf nicht zu finden. Sensible Informationen werden damit generell versteckt und können nicht ohne Weiteres von Gästen eingesehen werden. Um den Modus zu umgehen, müsste der Gast nun die genaue Adresse der anderen Oberfläche kennen und diese Aufrufen. In den wohl seltensten Fällen ist das möglich.

Sicherer wäre für mich die Lösung, dass einzelne Elemente ausgeblendet werden und es keine zweite Oberfläche gäbe. Das Problem hierbei ist jedoch, dass es eine Menge überlagernder Elemente geben müsste, damit das Design des Bildschirms auch nur halbwegs ansprechend ist. Überlagernde Elemente sind jedoch in der Handhabung schwer, da man immer ganz genau aufpassen muss, welches Element nun ausgewählt ist. Um diesem Problem aus dem Weg zu gehen, habe ich mich für eine zweite Oberfläche entschieden.

Wo der Gastmodus auch hilft

Denken wir nun einmal an ein Szenario, das sicherlich aktuell noch nicht sehr viele betrifft und in der Zukunft jedoch eintreten kann. In jedem Raum befindet sich ein Tablet zur Steuerung des aktuellen Raums. Basierend auf der Information, ob der Gastmodus aktiv ist, gibt es weitere Anpassungen an der Oberfläche.

Während im Standardmodus ein Wechseln zwischen den Räumen möglich ist und ich so aus der Küche das Wohnzimmer steuern kann, funktioniert das im Gastmodus nicht mehr. Ich bin im jeweiligen Raum gefangen und kann auch nur Geräte in diesem steuern. Das verhindert, dass Gäste beabsichtigt oder versehentlich Einstellungen eines anderen Raums verändern, zu dem sie keinen Zugang haben. Ebenso können weitere Informationen, wie zum Beispiel der aktuelle Stromverbrauch des Raums, einfach ausgeblendet werden.

Sicherheitskritische Funktionen, wie zum Beispiel die Steuerung der Alarmanlage, können generell nicht von Gästen getroffen werden. Dank einem gut durchdachten Gastmodus ist das aber auch gar nicht möglich, denn die jeweiligen Elemente zur Steuerung werden in der Oberfläche ausgeblendet.

Da jedes Tablet durch den gleichen Server mit Informationen versorgt wird, können so auf einen Knopfdruck sehr viele Anpassungen vorgenommen werden und das Smart Home steht innerhalb weniger Sekunden für Gäste in einem anderen Modus bereit.

Mein Fazit zum Gastmodus im Smart Home

Ich selbst wurde durch einen Artikel zu dieser Funktion inspiriert. Leider ist das schon einige Monate her und ich finde den entsprechenden Artikel nicht mehr. Doch ich habe für mich sofort die Stärken erkannt.

Persönlich bin ich der Meinung, dass jedes Smart Home ein durchdachtes Sicherheitskonzept braucht. Das beginnt beim Backup und endet bei der Anpassung der Oberfläche an die aktuelle Benutzerrolle. Wie man es von jedem Computer kennt, dürfen manche Einstellungen eben nur vom Administrator getroffen werden. Welche das sind, obliegt im Smart Home ganz allein dir.

Jedoch kann ich mir vorstellen, dass zum Beispiel die Heizung nicht zum Spaß verstellt werden sollte, da das natürlich in höhere Kosten resultiert. Aus diesem Grund ist es immer sinnvoll, sich über die Berechtigungen im Smart Home ein paar Gedanken zu machen.

Welche Ideen für zusätzliche Betriebsmodi hast du? Und was ist deine Meinung zum Gastmodus? Schreib es mir gerne unten in die Kommentare und lass mich an deinen Ideen teilhaben. Ich freue mich darauf!

Kategorien: ioBroker

Lukas

Hey, ich bin Lukas. Seit einigen Jahren schreibe ich in meinem Smart Home Blog über Hausautomation und Digitalisierung. Als Wirtschaftsinformatiker weiß ich, wie wichtig die Vernetzung von IT-Systemen ist. Diese Erkenntnisse übertrage ich auf mein eigenes Smart Home, das ich auf Basis von ioBroker betreibe. Hierzu nutze ich die Leistung meines eigenen Server-Clusters aus dem Keller. In deinen Ohren klingt das mindestens genauso spannend, wie für mich? Dann komm mit auf unsere Reise zu einem vollwertigen, sicheren und komfortablen Smart Home. Ganz oben findest du Verknüpfungen zu Social Media, wo du mir gerne folgen darfst. Ich freue mich auf dich!

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